Der Flipper One hat gerade gelernt, sein System zu wählen - ein frisches Boot-Log aus der R&D
Du wartest auf den Flipper One und schaust ständig nach, ob es schon ein Release-Datum gibt. Gibt es nicht. Aber vor ein paar Stunden hat das R&D-Team von Flipper etwas gezeigt, das über dieses Gerät mehr verrät als so manches Datenblatt - ein funktionierendes Startmenü. Eine Kleinigkeit? Nur auf den ersten Blick.
Denn wie ein Gerät hochfährt, verrät, was es eigentlich sein soll. Und das frische Boot-Log, das der Entwickler ins Netz geworfen hat, lässt dich dem Flipper One direkt unter die Haube schauen - bevor ihn überhaupt jemand gekauft hat.
Was genau passiert ist
Auf dem Profil @Flipper_RND tauchten ein Screenshot und eine kurze Notiz auf: Auf dem Flipper One läuft jetzt das U-Boot-Menü - der Bootloader, der startet, noch bevor Linux überhaupt erwacht. Das Menü lässt dich wählen, welcher Kernel und in welchem Modus (das sogenannte systemd target) das System starten soll.
Es ist ihr eigener U-Boot-Fork - offen, liegt auf GitHub - mit einem leicht angepassten Menü, das sie irgendwann ins Mainline-U-Boot bringen wollen. Vorerst behandelt der Entwickler das als vorläufige Lösung zum Testen. Im finalen Flipper OS wird das Menü höchstwahrscheinlich von einem kleinen Programm in der initramfs gezeichnet, erst nach dem Start des Kernels. Aber - wie er es klipp und klar sagte - "im Moment funktioniert es perfekt".

Warum ein Startmenü keine Kleinigkeit ist
Stell dir vor, du nimmst das Gerät für einen Einsatz draußen im Feld. Mal brauchst du ein volles Desktop mit dem ganzen Arsenal. Mal - ein abgespecktes, gehärtetes Profil, das schnell hochfährt und nichts Überflüssiges mitschleppt. Und manchmal deinen eigenen Kernel für ein bestimmtes Experiment.
Ein Startmenü bedeutet, dass du bei jedem einzelnen Start entscheidest, nicht der Hersteller für dich. Das ist Multiboot-DNA - die Hardware biegt sich nach deinem Workflow, nicht umgekehrt. Im Boot-Log sind übrigens mehrere fertige Debian-Profile nebeneinander zu sehen, darunter eine "nokde"-Variante - also ohne den schweren KDE-Desktop. Genau diese Philosophie in der Praxis.
Was das Boot-Log verrät 🔍
Der Entwickler hat das vollständige Boot-Log mit Zeitstempeln veröffentlicht, direkt aus dem Prozessormodul. Für alle, die gern wissen, was unter der Haube passiert, ist das eine kleine Goldgrube. Hier die interessantesten Ausschnitte (gekürzt):
U-Boot SPL 2026.07-rc4 (Jun 24 2026 - 12:30:28 +0200)
## Checking hash(es) for Image atf-1 ... sha256+ OK
## Checking hash(es) for Image u-boot ... sha256+ OK
## Checking hash(es) for Image tee-1 ... sha256+ OK
NOTICE: BL31: v2.15.0(release)
I/TC: OP-TEE version: 51d99cd ... aarch64
...
Model: Flipper One rev. F0B0C1
SoC: RK3576
DRAM: 8 GiB
...
Autoboot in 1 seconds, to stop use 's' key
1 bls ready mmc /boot/loader/entries/debian-7.1.0-...conf
5 bls ready mmc /boot/loader/entries/debian-6.1.141.conf
Drei Dinge lohnt es sich daraus mitzunehmen:
- Verified Boot. Jeder Baustein - Firmware, U-Boot, der Kernel - hat seine
sha256-Prüfsumme, die geprüft wird, bevor er überhaupt startet. Tausch ein einziges Bit aus und der Start kippt um. Sicherheit ins Fundament eingebaut, nicht am Ende angeklebt. - OP-TEE und ARM TrustZone. Das Gerät startet mit einer separaten, vertrauenswürdigen Ausführungsumgebung - demselben Mechanismus, der in Smartphones die Schlüssel bewacht. Bei einem Werkzeug, das fremde Systeme anfassen soll, ist das keine Spielerei, sondern gesunder Menschenverstand.
- Eine vollständige Boot-Kette wie in einem erwachsenen Computer: SPL → ARM Trusted Firmware → OP-TEE → U-Boot → Menü → Debian. Das Log bestätigt übrigens, was wir über die Hardware schon wissen - RK3576 und 8 GiB RAM. Das ist kein Mikrocontroller. Das ist eine Maschine.
Und noch etwas, der Teil, den ich am liebsten mag: Der Entwickler gibt offen zu, dass er mit der Kaltstartzeit nicht zufrieden ist. Kein Marketing-Zucker - einfach "noch zu langsam, wir arbeiten dran". R&D vor aller Augen, mit offenem Visier.
Warum sie das öffentlich zeigen
Weil der Flipper One bis ins Mark offen sein soll. Der U-Boot-Patch liegt auf GitHub, und das Ziel ist, die Änderungen in den Mainline-Kernel und in U-Boot zu bringen - ohne geschlossene Blobs und ohne Vendor-Lock. Du kannst buchstäblich zusehen, wie diese Hardware Zeile für Zeile entsteht, und - wenn du Lust hast - dein eigenes beisteuern.
Das ist das Gegenteil eines verplombten Gadgets, das du in einer Schachtel mit "nicht öffnen"-Aufkleber bekommst. Für die Pentester- und Bastler-Community ist das eigentlich das wichtigste Versprechen des ganzen Projekts.
Was das für dich bedeutet
Nüchtern betrachtet: Es ist noch R&D. Es gibt kein Release-Datum, keinen Preis, und was im Log zu sehen ist, ist ein früher Bring-up, kein fertiges Produkt. Aber die Richtung ist klar - flexibel, sicher, offen. Der Flipper One will kein "Flipper Zero 2" sein. Er will ein Taschencomputer sein, bei dem du selbst wählst, wie er startet.
Wenn du gerade erst ins Thema einsteigst und wissen willst, was der Flipper One überhaupt ist und wie er sich vom Zero unterscheidet - wir haben es hier aufgeschrieben: Flipper One kommt - was wir schon wissen.
Und wenn du jetzt sofort einen Flipper in der Hand haben willst, statt zu warten - der Flipper Zero steht bei uns im Regal und macht seinen Job. Den Flipper One nehmen wir ins Sortiment, sobald er fertig ist. Wir verfolgen jeden Commit für dich.